DLRG Kongress beeindruckt mit fachlicher Vielfalt

Foto: Sascha Walther

Miteinander reden – voneinander lernen – gemeinsam arbeiten – Synergieeffekte nutzen: Das Motto des DLRG-Kongresses 2016 vom 4. bis 6. November wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern hervorragend gelebt. Rund 450 Gäste, Teilnehmer und Mitarbeiter kamen zur wohl bisher größten DLRG-Veranstaltung dieser Art nach Bad Nenndorf. Dort erwartete sie ein volles Programm. Dazu gehörten Plenumsveranstaltungen mit sechs Hauptreferaten, drei Rahmenveranstaltungen, 15 Workshops an vier verschiedenen Austragungsorten, 57 Vorträge an zwei Tagungsorten, zwei Poster-Ausstellungen mit zusammen 55 Plakaten und das Abschlussplenum.

Gastgeber Helmut Stöhr (Foto: Sascha Walther)

»Mehr geht nicht!«, sagte Helmut Stöhr, Vorsitzender des Projektausschusses und Leiter Ausbildung im Präsidium der DLRG zur Kongresseröffnung. Diese Feststellung betraf zum einen die Breite des Angebots an Themen. Zum anderen spielte er an auf die Infrastruktur der Kurstadt mit ihrer bis auf den letzten Platz gefüllten Wandelhalle und die komplexen Anforderungen an die Logistik für mehrere voneinander getrennte Veranstaltungsorte mit Shuttle-Service.

Staatssekretät Dr. Ole Schröder (Foto Sascha Walther)

Die Schirmherrschaft des Bundesministers des Innern,Dr. Thomas de Maizière, war schon im Vorfeld ein wichtiges Signal an die Kongressteilnehmer und die sich einbringenden Referenten aus Organisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz (Wasserwacht), dem Verband Deutscher Sporttaucher oder dem Robert-Koch-Institut. So übernahm es Dr .Ole Schröder, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, das Grußwort zu überbringen.»Sicherheit für Menschen von Menschen eint das Bundesministerium mit der DLRG«, so Schröder, der darüber hinaus nicht nur den Katastrophenschutz als gemeinsame Berührungspunkte beider Institutionen beschrieb, sondern auch den Sport. Diesen betreibt die DLRG als nichtolympischen Rettungssport außerordentlich erfolgreich, wie die Statistik der World Games ausweist. Die DLRG erbringt für die Bundespolizei, einem Organ des Ministeriums, zudem wichtige Leistungen. So bilden die Lebensretter seit 1981 im Bundesausbildungszentrum in Lübeck für die Bundespolizei die Rettungsschwimmer aus. Das wird weiterhin Bestand haben und stellt in dieser Form inzwischen auch für die Bundeswehr ein Modell dar, das Nachahmung finden soll. Dr. Schröder würdigte weiterhin die Leistungen der ehrenamtlichen DLRG-Aktiven mit ihrem wichtigen Beitrag für das Gemeinwohl. Damit trügen sie wesentlich dazu bei, dass die gesellschaftliche Wertschöpfung einen gewaltigen Umfang erhält,der rein hauptberuflich nicht zu finanzieren wäre. 673 Rettungen im Jahr 2015 hob Schröder als entscheidenden Beitrag der DLRG hervor und schloss wertschätzend sein Grußwort: "Glück will vorbereitet sein".

Hörman: DLRG steht für Sicherheit

DOSB Präsident Alfons Hörmann (Foto: Sascha Walther)

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), knüpfte rhetorisch in seinem Hauptreferat an seinen Vorgänger an, in dem er mit einem Augenzwinkern erklärte, dass er sich bei der DLRG "in Sicherheit" wiegen würde und er aus diesem Grund lieber einem parallel stattfindenden Termin abgesagt habe. »Vieles würde ohne Ehrenamt nicht laufen«, erklärte Hörmann und bezog sich konkret vor allem auf den organisierten Sport in Deutschland. Er beschrieb »sechs Stärken des Sports für Staat und starke Sportler«, die durch rund 27 Millionen Mitglieder in 90 Tausend Vereinen getragen werden. Das Statistische Bundesamt habe errechnet, dass die freiwillig und ehrenamtlich engagierten Deutschen im Durchschnitt pro Tag 2 Stunden und 10 Minuten für ihr Ehrenamt aufwenden. Doch es bleibe keine Zeit,sich auf den Lorbeeren im organisierten Sport auszuruhen,denn der demografische Wandel verändere Lebensstile und Wertvorstellungen in unserer Gesellschaft. Die Motivation für ehrenamtliche Tätigkeit, für die die DLRG beispielhaft stehe,bewirke mehr als Hilfsbereitschaft, Selbsterfahrung, Kompetenzerweiterung, Anerkennung oder Spaß bei der Mitarbeit in der Gemeinschaft eines Vereins. Hörmann schloss mit dem Zitat von Hermann Gmeiner:"Alles Große in unserer Welt geschieht nur, weil jemand mehr tut als er muss." Brigadegeneral Michael Matz vom Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr stellte sein Referat zur zivilmilitärischen Zusammenarbeit auch mit der DLRG unter den Titel "Beraten,Bereitstellen und Führen – das ist die Bundeswehr". Die Bundeswehr könne natürlich nicht so schnell am Ort des Einsatzgeschehens im Inland sein wie die Feuerwehr bei Katastropheneinsätzen, erklärte Matz, doch wenn sie da sei, dann arbeite sie effektiv und durchhaltefähig wie keine andere Organisation. Dafür habe sie ihre Logistik, ihre Power und ihre Führungsstruktur in den letzten Jahren entwickelt.

Kein Engagement ohne Gesundheit

Heike Drechsler, zweifache Olympiasiegerin und gegenwärtig als Kommunikationstrainerin im Gesundheitswesen aktiv, animierte ihre Zuhörerinnen und Zuhörer zur aktiven Bewegung im großen Saal der Wandelhalle. Mehr oder weniger geschickt versuchten diese den Übungen der Referentin motorisch zu folgen.Nur über die eigene Gesundheit, so Drechsler, ist ehrenamtliches Engagement für andere möglich. Dafür gelte es, eigenes Verhalten zu überprüfen und für die Gesunderhaltung nachhaltig zu ändern. Der Einstieg dafür gelänge dem, der bereits kleine Bewegungschancen im Alltag nutze. Uwe Wesp, Diplom-Meteorologe, ehemals im ZDF-Fernsehen als Wetter-Moderator vielen Zuschauern bekannt und auch für die Hochwasserakademie in Hessen aktiv, sprach anschaulich über die Schwierigkeit, unseren Planeten für die nachfolgenden Generationen zu retten. Szenarien, die unterschiedliche bevölkerungspolitische und wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten in diesem Jahrhundert für die Erderwärmung berücksichtigen,zeigten, dass wir mit einer Zunahme extremer Wettersituationen rechnen müssen. Dazu zählten intensivere Gewitter in Verbindung mit Tornados, Starkniederschläge, in deren Folge lokale oder regionale Überschwemmungen entstehen,die eine Zunahme der Einsätze der DLRG im Katastrophenschutz wahrscheinlich werden lassen.Paul J. Baumgartner, sicher einigen aus dem Freistaat Bayern als Prime-time-Radiomoderator bekannt, widmete sich in erfrischender Art und Weise dem Thema»Begeisternd Kommunizieren«. Als Mensch selbst sei man in seinem Auftreten, so Baumgartner, der entscheidende Begeisterungsfaktor. Emotionen als Bestandteil der Kommunikation seien es, die begeistern. »Das heißt, das Wie bestimmt das Was!« Oft sei es also nicht entscheidend, was wir sagen, um begeistern zu wollen, sondern wie wir es sagen. Baumgartner präsentierte Tricks und Kniffe, die uns die Industrie vor allem im Marketing anschaulich vorlebt. Er erntete Lachsalven, als er per Videoeinen 1.000-PS-Bugatti mit dem Motorengeräusch im Ton eines Trabants präsentierte. Jetzt wurde jedem Zuhörer klar, so ein Fahrzeug wäre unverkäuflich. Sein Fazit: Wer klar ist in seiner Botschaft, der erreicht die Menschen, ist im Vorteil, kann begeistern und macht seine Zuhörer zu Fans seiner Sache. Werner »Tiki« Küstenmacher, Buchautor und Karikaturist, verpackte das ernsthafte Thema menschlicher Reaktionen im Kommunikationsverhalten humoristisch und visualisierend. Er arbeitete beeindruckend den Spagat zwischen der emotionalen und schnellen Reaktion des limbischen Systems unseres Nervensystems wie auch eines rational abwägenden und langsamen Agierens heraus. Mit seinem »Simplify your Ehrenamt«ergriff er Partei für das Glück, sich für andere zu engagieren.Sein »Limbi« war für die rund 200 Zuhörer im Kinosaal der Wandelhalle allgegenwärtig.

Weltrekord im Schleppen

Teilnehmer am Weltrekordversuch (Foto: Sascha Walther)

Werde Teilnehmer eines Weltrekordversuchs! Wer sich bewegen wollte, der hatte im Hallenbad von Bad Nenndorf die Chance, gemeinsam mit Mitgliedern des DLRG-Nationalteams im Rettungsschwimmen Teil einer Weltrekordmannschaft zu werden. Auf mehreren Schwimmbahnen stellten sich etwa 80 Teilnehmende der gemeinsamen Aufgabe, eine Stunde lang auf jeder Bahn eine Rettungspuppe in Staffelform über 25 Meter zuschleppen. Tatkräftige Unterstützung erhielten sie unter anderem vom amtierenden Weltmeister über 100 Meter Retten mit Flossen und Gurtretter, Kai-Uwe Schirmer. Die Bundestrainerin der DLRG, Susanne Ehling, gab das Startsignal und sofort schäumte das Wasser der Schwimmhalle. Angefeuert von den Mannschaftskameraden ging es auf die Strecke.In den unterschiedlichsten Techniken wurden die Puppen geschleppt. Die gemeinsam zurückgelegten Meter wurden addiert. Als Lohn sollte der Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde winken. Das Vorhaben gelang: 7.900 Meter legten die Lebensretter zurück – eine Strecke, die einem Weltrekord würdig war. Ob der Eintrag erfolgen kann, wird zurzeit von den Guinness-Buch-Verantwortlichen geprüft.

Der Samstagvormittag stand ganz im Zeichen der aktiven Beteiligung und der Mitgestaltung in den 15 Workshops. Neben der Wandelhalle und dem Hotel Delphin fanden auch Praxisworkshops auf dem THW-Übungsgelände und in der Schwimmhalle statt. Der Nachmittag folgte der Intention, aus den 57 gehaltenen Vorträgen neue Ideen mitzunehmen und mit den anderen Teilnehmern zu den angebotenen Themen ins Gespräch zukommen. Doch nicht nur der Austausch zu Fachthemen stand auf der Agenda des Kongresses. Der Samstagabend bot auch Raum für ein gemütliches Beisammensein in festlicher Atmosphäre. Die Wandelhalle der Kurstadt weist dafür ein exzellentes Ambiente auf. Die kulinarische Ausgestaltung des Abends erfolgte durch das Hotels Delphin. Humor ist, wenn man trotzdem lacht, dachte sich Nicole Wehner, Mitarbeiterin der DLRG Service Gesellschaft, und nahm die Kongressteilnehmer in ihrem Comedy-Programm beachtlich auf die Schippe.

Dreiteilige Ergebnispräsentation

Moderatorin Barbara Messer (Foto Sascha Walther)

Den Organisatoren war anhand der Vielfalt der Themen, Beiträge, Hauptreferate, Workshops und Vorträge klar, dass die besondere Herausforderung zu lösen war, die Ergebnisse möglichst allen zugänglich zu machen. Drei Elemente im Kongressverlauf am Sonntag sollten dazu dienen, Ergebnisse aus den einzelnen Vortragsblöcken zu kommunizieren. Zum Ersten bestand das Angebot an alle Referenten, ihr Referat auf einem Poster zu visualisieren und zu einem festgelegten Zeitpunkt an ihrem Poster am Sonntag fragenden Interessenten Rede und Antwort zu stehen. Zum Zweiten zeichnete Christoph Illigens eine Grafikwand, die die erfassten Kernergebnisse jedes Beitrages optisch festhielt. Das dritte Element im Kommunikationskonzept der Ergebnisse übernahm die Kongress-Moderatorin Barbara Messer, die schon beim DLRG Symposium Schwimmen 2012 durch das Programm führte. Die 54-Jährige übersetzte die Resultate in eine szenische Gestaltung auf der Bühne. Kongress-Chef Helmut Stöhr fasste am Ende die Kernergebnisse in der Abschlusserklärung der Veranstaltung unter der Überschrift "Ehrenamt stärken – Zukunftsfähigkeit sicherstellen" zusammen. Wir als DLRG müssen unsere Effektivität und Kompetenz durch Vernetzung, Perspektiven wechselund gemeinsame Ressourcennutzung stärken, so Stöhr. Dafür seien Strukturen und Regeln im Verband kritisch zu prüfen. Es gelte Hürden zu verringern, um neue Mitglieder zu gewinnen und vorhandenes Engagement zu stärken. Helmut Stöhr dankte abschließend allen, die an der Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung mitgewirkthatten. Das Schlusswort übernahm DLRG-Vizepräsident Dr. Detlev Mohr, der Helmut Stöhr und seinem Team um Projektleiter Jens Quernheim für den perfekt organisierten Kongress – ein Highlight des Jahres2016 – den Dank des Präsidiums der DLRG übermittelte.